Reanimierungsmaßnahmen will Schmidttakahashi mit uns durchführen. Bitte, will man da meinen, aber ich lebe doch noch. Damit ist auch eher die Mode gemeint, die man so am Leibe trägt. Meist sind die Kleidungsstücke anonyme Dinge, mit denen man sich nur schwer identifiziert. Man streift sie über wie eine Tarnkappe, eine Verkleidung, in der man einfach nicht man selbst sein kann. Dem wirkt das Modelabel mit seinen Doktorspielchen gekonnt entgegen. Wie genau, davon konnte man sich gestern im Collegium Hungaricum, dem Ungarischen Kulturinstitut, überzeugen. Dort führten Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi, die beiden kreativen Köpfe hinter dem Label, ihre Kreationen vor. Hierfür hatten sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Auf die Frage, ob es eine Sitzordnung gäbe, wurde man am Eingang mit den Worten „Es gibt eine Überraschung“ vertröstet. Eine überraschende Sitzgelegenheit… gucken im Liegen? Models auf dem Silbertablett? Zunächst hieß es jedoch warten, und zwar im abgedunkelten Kaffee. Lediglich eine purpurfarbene Lampe tauchte den Raum in ein mystisches Licht. Bald füllte sich auch die Räumlichkeit mit allerlei Gestalten, die mächtig Lästerpotential boten. So waren es die lauten Möchtegernmodels, die mit…
… einem Glas Rotwein an der Bar lehnten, die Strickmuttis, die gierig an grünen Bierflaschen nuckelten, mit ihrem Nachwuchs, dem sie Apfelsaft reichten, kurzhaarige Damen in langen Kleidern, die sie stilbruchwillig mit seltsamen Boots kombinierten und gelangweilt schauende Flohmarkt-Feen, die sich in einer dunklen Ecke die Lippen nachzogen. Und da war auch noch Rolfe Scheider, der gleich mit einer ganzen Gruppe von Stylo-Typen erschien und sich erstmal kritischen Blickes einen Überblick über das ganze verschaffte. Nach langer Zeit des Wartens hieß es dann gefühlte hundert Treppen steigen. Angekommen im Showroom, suchte man den Laufsteg vergebens. Vielleicht gab es auch einen ziemlich flach gehaltenen, es war für mich leider nicht wirklich erkennbar, da sich bereits eine Menschentraube genau vor meiner Nase breit machte. Tja, Pech gehabt, dachte ich mir und erblickte erfreut die grellen Scheinwerfer, die jede Pore und Falte der Besucher sichtbar machten. Famos. Dies schienen sich auch die anderen Gäste zu denken und schauten dementsprechend gequält nach einem Ausweg aus dem Scheinwerferlicht.
So fielen die Blicke auch gleich an die Wand, an der das Publikum projiziert wurde. Doch damit nicht genug, nachdem man sich selbst aus einer anderen Perspektive bestaunen konnte, wurde ein kleines Filmchen gezeigt. Hier waren Einzelstücke aus der Kollektion des Designerduos zu sehen mitsamt Materialangabe. Dann wurde die Musik lauter gedreht und Models mit aufgebauschten bis akkurat gelackten Haaren betraten den Laufsteg. Kombinationen aus verschiedensten Materialien, wie Strick, Jersey und Jeans fanden beim Publikum genauso Gefallen wie uniformähnliche Züge und bodenlange Westen in Felloptik. Wer gedacht hat, Jacketts wären spießig, dem zeigte Schmidttakahashi wie es lässiger geht: und zwar mit hochgeshoppten Ärmeln und extrem weiten Schnitten.
Mit Fotobeweisen kann ich aufgrund der extremen Lichtverhältnisse leider nicht dienen, doch vielleicht seid ihr auch unter den zufälligen Zaungästen gewesen, die sich auf der Straße versammelten und dem Schauspiel im dritten Stock zusahen. Denn dank der Projektion war die Modenschau auch auf der Straße zu bestaunen. Nach zehn Minuten war jedoch schon Schluss und Rolfe, die Strickmami und das Möchtegernmodel, das im Café noch lauthals über Shermine Shahrivar gelästert hatte, fuhren auch schon zur nächsten Veranstaltung…
Eure Alissia












