Neugierig betrat ich gestern Abend gegen 19:00 Uhr das Hotel Adlon. Ob mich hier Stars und Sternchen erwarteten, die unter falschem Namen eingecheckt hatten, um ihre Privatsphäre zu sichern? Würde ich einen Promi sehen, der nicht mit seiner Frau, sondern einer völlig anderen Bekanntschaft am Tresen flirtet? Solche und andere Assoziationen schießen mir nun mal immer durch den Kopf, wenn ich Hotels wie diese betrete. Doch heute ging es eigentlich um etwas ganz anders. Das italienische Institut für Außenhandel hatte anlässlich der Italian Fashion Days zu Mode und Genuss geladen, was man ja nur schlecht ablehnen konnte. Um 20 Uhr sollte es losgehen, doch man kennt ja die italienische
Pünktlichkeit … so wurden, um das Publikum im Vorraum bei Laune zu halten, kräftig Häppchen verteilt. Tomate und Mozzarella mit einem Miniatur Stückchen Brot, eine einsame Shrimp an scharfem Chutney und eine gegrillte Zucchini mit Ziegenkäse. Kleine Träumchen, die Lust auf mehr machten. Ein Hauch gesättigt, fand ich mich nun an der Tür ein, die das Tor zur Modenschau sein sollte. Minuten vergingen und ich fragte mich langsam, ob nicht so was wie „Sesam öffne dich“ gesagt werden musste, um die Tür zu öffnen. Denn es war bereits kurz nach neun und die angepriesene Modenschau hatte immer noch nicht stattgefunden. Da saßen sogar die sonst so lässigen Italiener auf heißen Kohlen. Endlich wurden die schweren Türen geöffnet und die Massen strömten in den Saal. Stühle suchte man vergebens, warum sollte man es auch bequemer haben als die Models, lediglich eine Bühne, die an Caspar David Friedrichs Eismeer erinnerte war mittig platziert. So versammelte man sich drumherum und wartete darauf, dass irgendwas passierte.
Fünf Models betraten diese etwas andere Art von Bühne. Nacheinander und
hochkonzentriert, mal in zarten Nachtgewändern, damit nichts vom präsentierten Schmuck oder den Taschen ablenkte, mal im mondänen Pelz und gelackten Sandalen.
Wie weich so mancher Ballerina war, konnte man bereits am Fuß des Models erahnen. Er schmiegte sich ganz zart an den Fuß, so dass er noch ein wenig durchschien. Am liebsten wäre ich auf den Laufsteg gestürmt und hätte dem Model die guten Stücke
entrissen.
Ebenso hysterisch benahmen sich aber dann die Damen, als die männlichen Models ihren Auftritt hatten und nach einem kurzen links, rechts und wieder geradeaus gucken sowie verharren auf ein und derselben Position ihre Sakkos auszogen und sich diese lässig über die Schulter warfen. Zur Enttäuschung von so mancher Dame wurde (leider) nicht mehr ausgezogen. Süße Halsketten mit Anhängern in Cocktailglas-Form sowie prachtvolle Blumen als Ringe zogen ebenso alle Blicke auf sich wie die mit großen blitzenden Steinen verzierten Taschen und Versionen mit grazilen Kettenhenkeln. „Azzuro“ läutete das Ende der Show ein und so tapste ich nach draußen, wo schon wieder kräftig weitergespeist wurde. Neben selbstgemachtem Basilikum- und Erdbeereis konnte man sich an Mini-Pasta-Variationen laben und die schmatzende Gesellschaft, die vor lauter Hunger ihr typisches Gestikulieren vergaß, bewundern.
Damit verabschiede ich mich von euch mit einem gesungenen „ci vediamo“, bis dann,
eure Alissia









