Giiirls, Voicebox: are beautiful I-I-I love you… dieser Ohrwurm von Bullmeister begleitete mich schon den ganzen Donnerstag über. Der Titelsong der diesjährigen GNTM-Staffel machte mich schon ganz wahnsinnig. Wahnsinnig entspannt fand ich mich wiederrum nach Feierabend auf meinem bequemen Sessel ein. Mit Stift und Papier bewaffnet und einem stets kritischen Blick, erwartete ich meinen Ohrwurm, der den Beginn der Sendung einläuten sollte. Und da war er auch schon, um Punkt 20:15 Uhr flimmerte dazu die Modelmama herself in knappem Slip und frivol-transparenter Bluse über die Mattscheibe. Welch ein Einspieler, welch vollkommene Selbstdarstellung. Viel lieber hätte ich bereits in diesem Step die Mädels bewundert. Doch meine Stimmung wurde sogleich durch den extrem aufwändig produzierten Vorspann gehoben, der Heidi im Privatjet zeigte. Im Off sprach sie in einschläferndem Tempo über ihre extreme Freude, die sie beim Start der Staffel empfindet, über die vielen schönen Mädchen, die sich mal wieder beworben haben… Doch beim Auftauchen ihrer Jury-Kollegen wurde ich gleich wieder ganz munter – das dynamische Duo Thomas und Thomas! Sie wirkten auf mich wie eine Reunion von Modern Talking, ein wirklich ungleiches Paar. Thomas 1 ist Creative Director (bei welcher Werbeagentur auch immer, aber bei GNTM wird ja mal gerne mit Titeln rumgeschmissen) und ein total lässiger Typ. Genauso cool gelt er seine Mähne in den Nacken und zieht seine Lederjacke zurecht. Uhuh…
… Thomas 2 hat das zu wenig, was Thomas 1 zu viel hat: Männlichkeit. Dafür ist er extrem tuffig und putzig in seinem bunten Mustermix, den er gestern trug. Der Modedesigner arbeitete schon bei etlichen Labels. Hörthört. Nach diesem filmreifen Auftritt der Drei ging es auch gleich zur Sache. 14.000 Mädchen, nur 50 wurden ausgewählt und schon 10 mussten gestern in der allerersten Runde gehen. Traurig, aber wahr. Doch bevor die Girls von all dem wussten, wurden sie extrem überrascht – die Anwärterinnen auf den Modelthron sollten nämlich gleich am Anfang einen Weltrekord aufstellen. Es galt insgesamt 175 Kilometer in einer Stunde zurückzulegen – und zwar auf Laufbändern. Aber nicht in lässiger Sportmontur, sondern in High Heels und Badeanzug. Warum auch immer Badeanzug, vielleicht um unschönen Schweißflecken vorzubeugen oder dem Zuschauer mehr Fleisch zu bieten. Doch bevor es auf die Bänder ging, musste Thomas 2 beim Anblick der Models noch etwas loswerden „Ihr seht ja so irre aus. So irre. Von da bis dort hinten!“. O-K. Dass er dabei ziemlich verrückt rüberkam, war ihm dabei wohl nicht bewusst. Oder es war ihm schlichtweg egal. Damit bei dem Rekordversuch auch ja nichts schiefging, achtete Herr Kuchenbecker (leckerer Name!) vom Guinness Buch der Rekorde penibel auf alles. Der Startschuss fiel und die Mädchen rannten – manche rannten sogar um ihr Leben. Hetzten sich ab, obwohl sie noch 59 Minuten vor sich hatten. Vielleicht wollten sie der Jury mit ihren sportiven Ambitionen imponieren? Wer jedoch eher negativ auffiel, war die blonde Joana. Die hatte einfach irgendwann keinen Bock mehr. „Ich bin ein kluges Mädchen und mache meine teuren Füße nicht kaputt“. Ja, wirklich superschlau diese Aktion, liebe Joana. Doch einen wirklichen Schaden trug sie durch ihre affektierte Art nicht davon, sie wurde weitergelassen. Huch, nun habe ich ja schon was verraten. Ich bin untröstlich.
Auf jeden Fall wurde der Rekord sogar am Ende noch übertroffen und die Mädels stellten stolze 265 Kilometer auf die Beine. Das dies mächtig in die Füße ging, wurde spätestens nach der blutigen Einlage von Rebecca „Becci“ deutlich. Die hinterließ nämlich nach ihrem eindrucksvollen Walk fette Blutspritzer auf dem blütenweißen Catwalk. Anfangs dachte ich noch an einen Fauxpas der etwas anderen Art und saß mit offenem Mund vor dem Fernseher… Rebecca steckte das aber weg wie ein Kerl. Sie erinnerte mich von ihrer langen Mähne und dem Hasenbäckchen her an die Models von American Apparel. Keine perfekte Schönheit, aber mit jeder Menge Sexappeal und traumhaft schönen Haaren. Sie bezeichnet sich selbst als „total crazy“ und immer für einen Spaß zu haben. So ließ sich die 18-Jährige nach einer Zeugnisvergabe von einer Limo abholen. „Alle waren neidisch“… Beeindruckend waren auch die anderen. So sagte eine Blondine, ihre Mundfalte wäre einfach außerordentlich extravagant (ähm, so was hab ich auch, obwohl mir die Oberlippe nicht direkt unter der Nase hängt), während Marie-Luise sich komplett blamierte. Das Schneewittchen nannte als ihr persönliches Vorbild nämlich Burlesque-Schönheit Dita van Teese und musste prompt ihr Idol imitieren. Dies fiel dem schüchternen Reh aber nicht ganz so leicht und so machte sie eher Turnübungen und wirre Ausdruckstänze als erotische Räkeleien auf dem Hocker. Das konnte Thomas 2 nicht mit ansehen. So sprang er von seinem Stuhl auf und machte Möchtegern-Dita vor, wie das mit der Erotik auszusehen hat. Ein Fest. Ach, köstlich die Aussage von Anna-Lena beim eingespielten Interview: „Ich habe mir beinahe in die Hosen geschissen“. Das Partygirl raucht seit sechs Jahren, wofür es von der Jury ein dickes Minus gab. Doch noch viel schlimmer: die rassige Mulattin war früher ein ganz schlimmes Kind! Schule, Ausbildung 1 und Ausbildung 2, alles brach sie ab und bereitete ihren Eltern Kummer. Na, ob sie bei diesen Voraussetzungen bei GNTM durchhält?!
Tollpatsch Ivon tänzelte barfuß über den Laufsteg und zog sich immer und immer wieder an ihrem Oberteil herum, was vom TV-Sender mit Hupgeräuschen unterlegt wurde. Herzallerliebst. „Du läufst wie ein Typ“, war das erschütternde Resümee der Jury. Geradezu schockierend auch die Aussprache von Simone. „I bin a richtger Bayer“, sprach sie und das war auch das Einzige, was ich noch verstehen konnte. Untertitel hätte man auch beim Laufcoach Jorge „Hoche“ gebraucht. Der sabbelte wie ein wildgewordenes Huhn vor sich hin. Beurkbeurkbeurk… ich nix verstehen, dachte ich mir dabei nur. Ob ihn eine der Mädchen verstanden hat? Ich bezweifle es.
Wenn man sich bei GNTM bewirbt, sollte man auch einen Plan B haben. So wie Natascha, deren Mutter früher auch mal Model war. „Wenn das nicht klappt, dann werde ich Frisöse“. Schön.
Nachdem zehn der jungen Damen eiskalt abgesägt wurden, ging es für die 40 übriggebliebenen in die Berge. Jorge fühlte sich auf der Kutsche nebst Thomas und Thomas wie Sissi. Weniger kaiserlich fiel die Übung aus, die er sich für die Girls überlegt hatte. Gesichtsjoga in einem ziemlich eigenwilligen Stil. Nachdem sich alle gelockert hatten, ging es zum Idiotentest oder soll ich eher sagen Alkoholtest?! So zumindest wirkte die folgende Übung auf mich. Jorge stellte neongelbe Hütchen auf, um die Jil und Co. herumwatscheln sollten. Elegant und grazil versteht sich. Das fiel den meisten von ihnen gar nicht so leicht. „Das ist das wahre Modelleben“, kommentierte Thomas 2 diese harte Übung. Nach diesem Akt wurde den Ladys ihr Preis für das Bestehen des nächsten Challenge unterbreitet: Ein Auftritt mit Ke$ha, die gepiercte, total freakige yeah Popsängerin. Doch glich das nicht eher einer Bestrafung?! Die Mädchen fanden das auf jeden Fall supercool und freuten sich auf ihren Walk vor hunderten besoffener und wild grölender Skiurlauber. Diese kompetente Masse wählte dann auch das Grüppchen Models aus, das mit Ke$ha eine voll fette Party auf der Bühne veranstalten durfte.
Berlinerin Christien wackelte mit ihrem Kopf und legte eine wilde Performance hin. Es war ja auch kein langes Haar vorhanden, das sie hätte schwingen können. Sah etwas seltsam aus. Doch Ke$ha fand den Auftritt mit den Girls einfach nur „fucking fantastic“. Doch die Feierstimmung hielt nicht lange an. Am nächsten Tag stand schon wieder eine Entscheidung an. Da wurde es geradezu religiös! „Ihr müsst übers Wasser gehen“, prophezeite die Modelmama. Wie das möglich sein sollte? Über einen schmalen Laufsteg, der dazu auch noch wackelte! Kreisch! Becca meisterte den Walk als Beste und kam auch sofort in die nächste Runde. Melek, die von der Jury immer mit Nicole Scherzinger verglichen wurde, jubelte auch nach ihrer Green-Card von Thomas 1 und Co. Doch nach dieser Euphorie erfuhr der Zuschauer durch einen Einspieler von der schrecklichen Erkrankung Meleks. Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Doch Melek zeigte sich tapfer als Kämpfernatur und sieht der Zukunft den Umständen entsprechend positiv entgegen. Mittlerweile hat sie schon die dritte Chemo hinter sich. Furchtbar, diese heimtückische Krankheit. So. Nun mag ich auch gar nicht mehr weiterschreiben. Wünschen wir Melek nur das Beste!
Bis zur nächsten Sendung.
Eure Alissia











