Mit einem fiesen Flimmern vor den Augen erwachte Kathi aus dem Schlaf. Sie konnte ihren Kopf kaum heben, er war schwer wie Blei. Langsam versuchte sie den Koloss auf ihrem schmalen Hals zur Seite zu bewegen. Wo war sie bloß? Warum schmerzte ihr ganzer Körper? Vor ihren Augen zitterten die wirrsten Farben, Rot, Grün, Blau, Gelb… war sie in einen Farbtopf gefallen? Im Himmel? In einem Rausch? Ein paar Meter von ihr entfernt war eine Bühne aufgebaut, überall lagen Konfetti und Luftschlangen herum. Hatte sie den Jahreswechsel verschlafen? Aber es war doch erst März. Mit lauter Fragezeichen im schmerzenden Kopf erhob sie ihren Körper von einer Holzpritsche. Vor ihr auf dem schmalen Tisch lag ein zerknülltes Shirt von Tshirt Store. Kathi glättete es angestrengt mit ihrem Ellenbogen. Neben dem lustigen Print stand eine Telefonnummer und eine nahezu unleserliche Botschaft. „Für meinem Kuschelbär, luv…“ mehr konnte sie nicht entziffern. Hastig griff sie sich an ihren Hals. Puh, ihre heißgeliebte Replay-Kette war noch da. Funkenmariechen, schoss es ihr durch den Kopf. Sie blickte an sich herab und sah sich in einem ungewohnten Outfit, mit flauschig aufgeklebtem Brusthaar, braunen Pranken und riesigen Füßen. „Ich seh ja aus wie ein Bär“, motzte sie vor sich hin und plötzlich machte es klick. Vor ihrem inneren Auge lief der gestrige Abend ab wie ein Film…
… „Coole Lederjacke, aber findest du nicht, die würde mir besser stehen?“, hatte sie der Typ in der Jet Lag-Jacke angequatscht. Zwischen „Viva Kolonia“ und „Kölle Alaaf“. „Du hast deine, ich hab meine Arma Leder“, raunte ihm Kathi zurück. Nach diesem Fetzen Erinnerung klaffte wieder ein großes schwarzes Loch in ihrem Kopf. Eigentlich war sie doch als Krankenschwester gegangen, ganz in Weiß mit ihrem Pullover aus ihrer Scandinavian Designers-Sammlung. Jedes Mal wenn sie nach Malmö fuhr, kam sie mit IMITZ, Uldahl und anderen Markenklamotten nach Hause. Doch das war grad unwichtig, sie musste sich daran erinnern, warum sie nicht mehr sexy Schwester Kathi war, sondern nun im Kostüm eines Bären steckte. Und plötzlich kam wieder eine Erinnerung hoch.
„Ich bin ein kranker Bär, willst du mich verarzten?“, grölte ihr der Kerl neben dem Typen mit der grünen Jacke ins Ohr. Diesen Spruch hatte sie gefühlte hundert Mal an diesem Abend gehört. „Ich mag keine Tiere“, zischte sie ihm entgegen und wollte sich eigentlich umdrehen. Doch dann war sie ganz imponiert von dem Tarzan ähnlichen Rumgebrülle des Bären und wie er sich auf die haarige Brust klopfte. „Uh, sind die echt?“, lachte Kathi und zog am langen, wuscheligen Brusthaar des wilden Typen. „Klar, die Hormone spielen bei mir verrückt, seitdem ich dich das erste Mal sah“, brüllte er und kam gleich mit einem unmoralischen Angebot um die Ecke. „Trikottausch?“. Etliche Kölsch später war es nun Kathi, die Wuschelhaar und Braunbärfell trug und der Kerl, der eigentlich Manuel hieß, tja, dem zwickte es ungemein an ziemlich prekären Zonen… Da stand er nun, ein Baum von Mann in einem Pullover, der ihm gerademal über die Brust ging und einem Rock, der seine Pobacken hervorblitzen ließ.
Übermütig sprang Manuel auf den Tisch und sorgte so für die Einblicke des Abends. Doch die Bilder wurden immer schwächer und die Erinnerungen schwammiger. Wo war die heiße Krankenschwester jetzt? Wo waren ihre Freundinnen? Und warum lag sie allein in einem Festsaal auf der Holzpritsche? „Viiiivvvaaaa Koolooonniiiaaaaaa“… grölte es plötzlich. War es in ihrem Kopf? Auf einmal griff ihr was ans Bein. Kathi schreckte auf – es war Manuel! „Du, mir ist so kalt am Podex, weißt du, warum ich einen Rock anhabe?“…
Wie diese Geschichte wohl noch ausgeht? Ob eine Karnevalsromanze daraus entsteht? Oder ob das alles nur ein komischer Traum ist und Kathi irgendwann erwacht? Eine Auflösung gibt es nicht, dafür jede Menge Schnäppchen in der nächsten Woche.
Ich freue mich auf euch.
Eure Alissia









