Verschwitzt ging Tino in seine Wohnung hinein. Er hatte gerade zwei Stunden hartes Work-out hinter sich. Doch was tat er nicht alles für seinen Adonis-Körper. Er warf seine Trainingstasche in die Ecke, seine Jacke vor sich und streifte sich gleich danach sein Russell Athletic-Shirt ab. Auf dem Weg zum Bad passierte er das Wohnzimmer – doch irgendwas war anders. Er hörte etwas. Ein leises Tropfen. Irritiert ging er ins Wohnzimmer und traute seinen Augen nicht. Wasser, überall war Wasser, das direkt von der Decke auf seine Anlage, in sein Zimmer tropfte und sich langsam aber sicher den Weg ins Schlafzimmer bahnte. Hastig verließ er seine Wohnung und rannte nur in Shorts bekleidet die Treppen hinauf. Hysterisch klingelte er. Nach gefühlten Stunden öffnete ihm endlich seine Nachbarin. „Was ist denn, ich habe zu tun“, rief die nur genervt und zog sich den Gürtel ihrer S’NOB de NOBLESSE-Weste stramm.
„Was ist?! Guck mal in deiner Wohnung, da muss irgendwas undicht sein. Mein halbes Wohnzimmer steht schon unter Wasser, die Anlage kannst du vergessen.“
Tinos Nachbarin runzelte ungläubig die Stirn. „Ich wüsste nicht, was bei mir undicht sein sollte. Ich besitze weder eine Waschmaschine, noch neige ich zum exzessiven Spülen“, lächelte sie nur müde und war kurz davor, die Wohnungstür wieder zu schließen. „Ähm, hallo?! Wie geht es nun weiter?“, rief Tino und schaute durch den noch offenen Türspalt.
Seine Nachbarin zog sich ihre Dr. Martens-Boots an und ging zu Tino in den Hausflur. „Mann, ich bin versichert, wir machen das schon, ok?“
Tino wollte seinen Ohren nicht trauen. Wütend stieß er die angelehnte Wohnungstür auf und bahnte sich den Weg vor in Richtung Wohnzimmer. Schon im Flur des Altbaus hörte er lautes Gejaule, das eindeutig aus dem Wohnzimmer seiner Nachbarin kam. Als er das Zimmer betrat, traute er seinen Augen nicht. Mitten im Raum stand nicht etwa ein Sofa oder ein Sessel, sondern eine gläserne Badewanne. Das war jedoch nur das Zweite, was ihn irritierte. Denn in der Badewanne stand eine riesige Dogge, die wild mit ihren Pfoten scharte, so dass fast der gesamte Inhalt der Wanne auf den nackten Fußboden, der keinen Belag aufwies, gespritzt war.
Kein Wunder also, dass alles bei ihm durchtropfte. Tino blickte um sich. An den Fenstern hingen Kleider statt Vorhänge, unter anderem ein graues von flip*flop, in dem er seine Nachbarin im Sommer oft an ihm vorbeiflitzen sah. An den Wänden hingen riesige Leinwände, bemalt mit bunten Fantasiewörtern und wilden Spritzern. Alles hier sah so ungewöhnlich aus. Das hatte er in der Wohnung über sich gar nicht vermutet.
Plötzlich sprang die riesige Dogge, die eher nach einem Pferd als einem Hund aussah, aus der Wanne und sprintete direkt auf Tino zu. „Hugo, nicht!“, schrie die Nachbarin nur, doch das Tier hatte an Tino schon einen Narren gefressen und sprang ihn mit einem Satz an. Da gab es auch für Tino kein Halten mehr, er wurde unsanft auf den Boden geworfen und nun auch noch von oben bis unten von der riesigen Zunge abgeschleckt.
„Ich hole dir mal ein Handtuch“, hörte er seine Nachbarin rufen und sah nur noch ihre Füße, wie sie den Raum verließen. Minuten später lehnte er verwirrt an der Wand, mit dem Handtuch um die Schultern und betrachtete die Dogge. „So einen großen Hund habe ich ja noch nie gesehen“, flüsterte er ehrfürchtig und betrachtete die riesigen Pfützen auf dem Boden.
„Ich habe schon den Hausmeister informiert, da kommt morgen früh gleich eine Firma, die sich um den Schaden bei dir kümmert“, sagte die Nachbarin und setzte sich zu Tino auf den Boden.
„Und was ist mit deinen Schäden hier?!“, sagte Tino irritiert und zeigte auf all die aufgeweichten Stellen.
„Ach, das sind keine Schäden, das ist Kunst, du Banause!“, lachte die nur und warf ihren Kopf in den Nacken.
Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten, über Schnäppchen nicht. Denn die wollen schließlich alle haben. Also, schnell sein ist gefragt. Ich freue mich euch auch nächste Woche bei uns begrüßen zu dürfen.
Eure Alissia
















