Da war er wieder. Der olle Spießer aus dem dritten OG. Tammy nannte ihn lediglich „Den OTTO KERN-Mann“, da sie ihn nur in Hemden der Modemarke sah, wenn sie ihm begegnete. Begegnen war hier vielleicht nicht das richtige Wort, wenn man bedenkt, dass der einzige Kontakt, den die beiden zueinander hatten, zwischen Tür-Spion und Treppenhaus stattfand. Ihm aufmachen, wenn er wieder seine Hass-Tiraden über Tammys Elektro-Mucke abließ? Nie im Leben! So zog sie sich auch dieses Mal die Kapuze ihres Blutsgeschwister-Overalls über beide Ohren und ignorierte sein Gebrüll mit lautem Gesang. Doch irgendwann wurde auch die Partymaus müde und ihr Wiederstand gegen Mr. Hemd versagte – so schlummerte sie tief mit dem Gesicht ins Kissen gedrückt auf dem Sofa ein. Bis es wieder klingelte. Dabei hatte ihre Platte doch schon längst ausgespielt, ein Grund zur Beschwerde lag also nicht mehr vor. Genervt schlenderte die Blondine zur Tür und schaute durch den Spion. Doch diesmal blickte sie nicht gegen die geschwellte Brust ihres Nachbarn, sondern in das putzige Gesicht eines Hasen von GESCHMACKHAUS ®. Irritiert öffnete sie die Tür. Welch hundsgemeiner Trick. Denn das schokoladige Tier „saß“ in der Hand ihres Nachbarn. Er hatte die Stirn in Falten gelegt und sprach auf affektierte Art und mit wild schwingenden Händen: „Eh, ische werde dire eine Angebote machen, dasse du nichte ausschlage kannste!“…
… O-K, dachte sich Tammy nur in diesem Moment. Ein Verrückter wohnte unter ihr. Ein Verrückter mit ziemlich knackigem Hintern, fiel Tammy plötzlich auf. Ihre braunen Kulleraugen wanderten weiter an dem gut gebauten Körper des Fremden herab und blieben an den blankgeputzten Schuhen von Sebago hängen. Schnösis waren eigentlich nie ihr Fall gewesen, doch ihr Nachbar mit dem Mörderorgan und einer Bombenkondition, wenn es um das Hämmern mit Gegenständen an der Decke ging, hatte es ihr irgendwie angetan. „Hm, Angebot, ja, wasn? Und warum dieser affige Akzent? Wir sind doch hier nicht beim Paten. Oder möchtest du mich später einzementieren und in der Spree versenken?“, lachte Tammy und blickte in ein irritiertes Gesicht. Schweigen. Das Eis zwischen den beiden schien sich zu einem ganzen Gebirge aufzutürmen. Doch Tammy versuchte die Situation zu retten. „Komm rein, ich mach dir ein Zaubertoast. Als Friedensangebot, wenn du schon nicht mit der Sprache rausrücken willst“. Sie winkte ihn hinter sich her und schmiss galant zwei Toastscheiben auf ihren Sandwichmaker von Russel Hobbs. „Zaubertoast?“, fragte ihr Nachbar irritiert und schaute ihr neugierig über die Schulter. „Ja, Hokuspokus“, sie schmierte Remoulade auf die Scheiben, klatschte Salat obendrauf und garnierte dies mit einer dicken Scheibe Käse, „Fidibus und schwubs genießen wir ein leckeres Zaubertoast. Noch nie davon gehört?
Aber was frage ich dich, OTTO KERN-Mann“, brach es aus Tammy heraus. „Ralf Beier, eigentlich… aber einen weichen Kern habe ich auch“, zwinkerte er ihr zu. Oh, flirten wollte er also. Da kam Tammy wieder der Schokohase in den Sinn, den ihr der Fast-Fremde in den Spion gehalten hatte. „So, wo ist denn nun mein Schokohase. Ist ja nett, dass du mir eine süße Sünde vorbeibringst. Hast wohl eingesehen, dass dein Theater ganz schön affig war, oder?“, zischte sie und klappte den Sandwichmaker zu. „Ich und affig?“, zickte der Nachbar plötzlich und schien sein Gezwinker und Geflirte plötzlich vergessen zu haben. „Ähm, entschuldige, du tanzt mir seit Monaten auf den Nerven rum. Ich arbeite im Gegensatz zu dir. Du scheinst ja nichts Besseres zu tun zu haben, als eine Elektrokacke aufzulegen“. Das saß. Tammy klappte den Sandwichmaker auf, holte das noch wabbelige Toastbrot heraus und presste es dem irritierten Nachbarn gegen die Stirn. „Na, spürst du die Magie? Und nun raus aus meiner Wohnung“, giftete die Zwanzigjährige. Doch gegen alle Erwartungen haute er nicht ab, sondern nahm Tammys kleines Gesicht zwischen die Hände und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Ich liebe Frauen mit Temperament“, säuselte er dabei unentwegt. Die Blondine rollte mit den Augen. Wo war ihr nerviger Verehrer Carlos vom Tacco-Stand, wenn sie ihn brauchte. Sonst klebte er doch immer an ihren Fersen…
Ob Tammy dieser heiklen Situation noch entgehen kann und wie lange wohl noch das Toastbrot an der Stirn des Nachbarn kleben wird… wer weiß, wer weiß. Eins weiß ich aber ganz genau: Die nächste Woche wird sicherlich genauso stürmisch wie der feuchte Kuss des Nachbarn. SCHMATZ.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken unserer Schätze.
Eure Alissia











