Im Cocktailkleid eine Ikone
Es gibt Menschen, die bis zu 66.000 Euro zahlen, nur um eben genau das Cocktailkleid von Givenchy zu besitzen, in dem Audrey Hepburn leichtfüßig über die Leinwand tänzelte. Mit keiner anderen Schauspielerin ist das figurbetonte, maximal bis zur Wade reichende Kleid so eng verbunden wie mit der grazilen Schauspielerin. Vielleicht auch deswegen, weil das im Vergleich zum Abendkleid legerer getragene Cocktailkleid so vortrefflich zu dem Charakter der Hepburn passte – zu ihrer Verträumtheit, dem kindlichen Trotz und ihrem mädchenhaften Charme. Irgendwie schaffte sie es in diesem Outfit immer, ganz Diva zu sein.
Eine Erfindung der Marke Chanel?
Fast tritt hinter das glamouröse Idealbild der Schauspielikone die Person in den Hintergrund, die das kleine Schwarze publik machte und kurzerhand zum Trend erklärte. Keine Geringere kann es gewesen sein als die französische Modedesignerin Coco Chanel, oder doch nicht? Seit seiner Bildveröffentlichung in der Vogue 1926 als schickes Abend- und Ausgehkleid gerühmt, scheiden sich die Geister, wer es denn tatsächlich kreiert habe. Ist es tatsächlich Coco Chanel gewesen oder geht es, wie Karl Lagerfeld annimmt, doch eher auf die Trauerkleider in der Zeit des Ersten Weltkriegs zurück? Es ist wirklich höchste Zeit, dieses spannende Kapitel der Modegeschichte wieder aufzurollen! Es ist das Naturell eines Kleides, Rätsel aufzugeben. Und gerade das, was sie verhüllen, ist umso aufregender aufzudecken.
Ein Cocktailkleid, so wandelbar wie ein Chamäleon
Wandelbar wie die Figur ist auch der Charakter dieses zeitlosen und facettenreichen Kleides. Es besteht keine Gefahr, darin fein gemacht auszusehen. Je nach Anlass lässt sich der Look dementsprechend variieren. Mit Peeptoes, Keilsandalen oder flachen Ballerinas zur Party, mit Abendtäschchen und schwindelhohen Stilettos direkt hineinspaziert in das Nobelrestaurant am Kurfürstendamm. Schon lange hat sich sein Farbspektrum erheblich erweitert: Beyoncé trägt es in königlichem Blau, Eva Mendes in feurigem Rot und Teri Hatcher in kapriziösem Violett. Cocktailkleider sind mal schlicht und vornehm hochgeschlossenen, mal sexy mit tiefem Dekolleté und taillierten Schnitten, mal verspielt mit Rüschen, Raffungen, Volants, Spitzen, Drapierungen und floralen Mustern. Es gibt fast keinen Anlass, zu dem ein Cocktailkleid nicht passen würde. Es sei denn, ein Dresscode wird gefordert, denn eines sind Cocktailkleider nicht: Abendroben.





