books4friends – Für alle Lesenslagen

Es ist wieder Lesezeit. Dunkelheit, Kälte, Lockdown Light, Entspannung oder auch Bildung laden, wie viele andere Faktoren ein, es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen. Hier kommen unsere aktuellen Lieblinge für alle Lesenslagen.

 

„Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation: Ein Gespräch mit Gabriele Seils“ von Marshall B. Rosenberg

Herder Verlag, 2012

Marshall B. Rosenberg hat der Welt ein Geschenk bereitet, indem er die Technik der „Gewaltfreien Kommunikation“ begründete. Was zugleich simpel und kompliziert umzusetzen klingt, wird in diesem Buch als alltagsnaher und greifbarer Spaziergang gereicht. Rosenberg berichtet im Dialog mit der Gabriele Seils und stets mit klarem Praxisbezug von seinem Weg hin zur gewaltfreien Kommunikation. Seils stellt ihrerseits die Fragen, die es braucht, um Rosenbergs Erfahrungen in den eigenen Alltag zu integrieren. Ein Lehrwerk von Empathie und Eigenverantwortung, das durch kleine simple Stellschrauben die Perspektive auf sich und andere wandeln und klären kann.

 

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky

Dumont Verlag, 2017

Es sind die großen Fragen des Lebens, die Leky in ihrem Roman stellt und vielleicht auch beantwortet, die ganz großen. Während sie die kleinen Dinge im Alltag einer Dorfgemeinschaft betrachtet. Und sie tut das so leichtfüßig, einleuchtend und ehrlich, dass man der großen Philosophie in dieser kleinen Geschichte gar nicht so leicht auf die Schliche kommt. Eher umgekehrt, sie schleicht sich durch die spröde Ehrlichkeit der erzählten Charaktere mit einem Humor, der keine Gefangenen nimmt, ins Bewusstsein der . Kurzweilig, witzig, sanft und tief zugleich. Eine perfekte Geschichte.

„Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben

Ludwig Verlag, 2015

Sehnsuchtsort Wald – große Liebe und großes Mysterium. Vor allem für Menschen, die in der Stadt leben. Neu ist es nicht, dass Pflanzen und insbesondere Bäume ein Verhalten und auch Sozialverhalten haben, kommunizieren und sich an ihre Lebensumstände anpassen. Das zu sehen, ist nur kaum möglich, da es nicht in einem Menschen-, sondern eben in einem Baumtempo vor sich geht. Das ändert aber nichts daran, dass es da ist, das Baumverhalten. Wie es funktioniert, welche biochemischen Vorgänge dahinterstecken und welche Rolle all das für den menschlichen Körper und Geist spielt, das erklärt Wohlleben in seinem Bestseller und gibt damit Einblicke in eine faszinierende Welt. Direkt vor unseren Augen und doch so geheimnisvoll.

 

„Die stillen Trabanten: Erzählungen“ von Clemens Meyer

Fischer Verlag, 2018

Was Clemens Meyer erzählt, ist rau, klar, und in seiner bezaubernden Schonungslosigkeit manchmal kaum zu ertragen. Wie ein Sonnenaufgang im Januar. Es tut ein bisschen weh, aber wenn du bereit bist, hinzusehen und dich fesseln zu lassen, wird dir warm. Mit „Die stillen Trabanten“ schafft er eine Sammlung von Stories, die perfekt dosiert sind, vor allem für Meyer-Einsteiger. Seine Erzählungen sind das Leben, auf ihre Art. Das Leben in Ostdeutschland und das Leben mit einer Bitterkeit, die zugleich niemals bereit sein wird, ihre unerbittliche Hoffnung auf das ganz große Glück gehen zu lassen.

 

„Kein falsches Wort jetzt: Gespräche“ von Christoph Schlingensief

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2020

Der nächste Theater- oder Kinobesuch wird noch etwas auf sich warten lassen in diesem Jahr. Was du stattdessen sofort haben kannst, ist das Vermächtnis des großen und unfassbaren Regisseurs Christoph Schlingensief in Form Gesprächsausschnitten, kuratiert von seiner Frau und Mitarbeiterin Aino Labarenz. Einzutauchen in seine klirrend ehrliche und verschmitzte Weltsicht voll Unerschrockenheit und unsäglichem Witz macht Spaß, erweitert Horizonte und sprengt auf eine beruhigende Art jeden Rahmen der Vernunft. Sein einzigartiges Verständnis von künstlerischer Arbeit bleibt unvergessen und für manche vielleicht auch unverarbeitet. Vor allem bringt dieses Buch die Kunst und die Verschobenheit der Dinge zurück in unseren Alltag und ist das Richtige für dich, falls dir das gerade auch so fehlt wie uns.

 

„Unsichtbare Frauen – Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ von Caroline Criado-Perez

btb Verlag, 2020

Mindestens 3,6 Milliarden Menschen auf der Welt werden laut britischer Journalistin und feministischer Aktivistin Caroline Criado-Perez ignoriert – genauer: Alle Cis-Frauen werden ignoriert. In ihrem Buch entfacht sie ein Faktenfeuerwerk, das die existente, mitunter sogar lebensgefährliche Ungleichheit in einer „von Männern für Männer gemachte[n] “ Welt in grelles Licht taucht.

Stichwort: Gender Data Gap. Unvollständige Daten designen unseren Alltag und setzen – durchaus unbeabsichtigt – Cis-Männer als gesellschaftliche Norm. Von Klaviatur-Maßstäben, über Bürotemperaturen, der Größe der Schutzkleidung und Masken bis hin zu Crashtests – greifbare Beispiele aus Industrie, Forschung und Wissenschaft gehen hier Hand in Hand mit bewegenden Statistiken und spannenden Lösungsansätzen. Wusstest du, dass es bis 2016 weltweit keine einzige weibliche Statue gab? Wusstest du, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau bei einem Autounfall stirbt, um 17 Prozent höher ist als bei Männern? Ein kraftvolles Buch – ein Plädoyer für Veränderung der Normalität – das einen gleichermaßen beeindruckt wie schockiert, und einen mit einem Funken Hoffnung wieder entlässt.

 

Unsere Redaktion wünscht euch viel Spaß beim Lesen. Und warum ein tolles Buch auch gleichzeitig ein wunderbarer und persönlicher DIY-Geschenktipp ist, lest ihr in unseren Adventskalendertipps…