Love Locked down– Zusammenleben im Ausnahmezustand

Sicher haben die wenigsten damit gerechnet, jemals eine Situation wie den jetzigen Pandemie-Lockdown zu erleben. Noch weniger wahrscheinlich waren die meisten darauf vorbereitet, als er kam. Eine romantische Vorstellung eigentlich, sich gemeinsam drin zu verkriechen, während die Welt rundherum auf unbestimmte Zeit verrücktspielt. Einfach mal Pause gedrückt irgendwie. Wie diese Zeit im Zusammenleben unter einem Dach, mit Partnern, Freunden, Mitbewohnern oder der Familie, nicht zur Zerreißprobe wird, liest du hier.

Bewusstsein: Ausnahmesituation

Alle befinden sich, wenn auch nicht bewusst, in einer andauernden Stress- und Belastungssituation. Verhalten und Gedanken sollten deshalb als alles andere als alltäglich bewertet werden. Ungewissheit und Vertrauensverlust in dein Umfeld oder dich selbst schwingt latent mit und auch, wenn du dir dessen nicht in jedem Moment bewusst bist, könnten Überschwangsreaktionen in scheinbar banalen und unwichtigen Situationen ein Anzeichen für permanenten Stress sein. Viele Probleme sind nicht plötzlich da, aber potenzieren sich unter Daueranspannung und fehlendem Ausgleich. Du bist nicht der-/dieselbe, wenn du dich nicht gewohnt frei entfalten und dich sicher fühlen kannst.

Was ist an dieser Erkenntnis gut?

Alltagsprobleme lassen sich dadurch in einen Kontext setzen und es wird klar: Sie kommen nicht ausschließlich aus deinem Inneren, sondern werden zu einem erheblichen Teil von der Außenwelt induziert. Da sich diese schwer kontrollieren lässt, kann ein Gefühl der allgemeinen Überforderung aufkommen. Auf diese Weise können bestehende Knoten und Herausforderungen, die du bisher nicht aufgelöst hast, deutlicher und schneller zu Tage treten. Das heißt: Unter normalen Umständen würde vieles von dem, was dich im Moment an deine Grenze bringt, nicht so schwer wiegen, wie aktuell. Besinn dich darauf, so oft du kannst. Der letzte Streit liegt wahrscheinlich nicht nur zwischen dir und deinen Liebsten, sondern wird von der Gesamtsituation befeuert. Ihr seid stärker, als es sich momentan anfühlt. Du bist stärker. Fast nichts ist so groß, wie es gerade erscheint.

 

Dankbarkeit

Einige Bereiche deines und eures gemeinsamen Lebens sind im Moment eingeschränkt. Das ist eine ausgewachsene Herausforderung. Für manche ist die größte Belastung eine Veränderung der Arbeitssituation, für manche das heruntergefahrene Sozial- und Freizeitleben und für andere das Zuhause bleiben. Und wieder andere bangen grundsätzlich um Gesundheit, Zukunft, Gesellschaft. Diese Themen solltet ihr euch gemeinsam ansehen, aber viel öfter das, was gerade bleibt: Wohlergehen, eine/n geliebte/n Partner/in und Familie, ein schönes, sicheres Zuhause, die Natur, die neue Kraft schöpft und ein herrliches Frühjahr beschert, ganz viel Zeit und Ruhe, die ihr gemeinsam gestalten könnt oder die Möglichkeit, endlich Dinge zu sortieren, die gerade zum Stehen gekommen sind. Dein Leben ist immer reich, es gibt immer etwas, wofür du dankbar und worauf du stolz sein kannst. Auch jetzt!

Teilen

Aktives Bewusstwerden darüber, wer und was dir Kraft gibt und für dich jeden Tag wertvoll ist, gibt dir die Möglichkeit, dies auch zu teilen. Du liebst die Sonne, die blühenden Bäume vor deinem Fenster, Musik, ein Buch, einen Gedanken? Teile das mit deinen Liebsten. Entweder empfinden sie es als ebenso schön, wie du, oder können sich schlichtweg mit dir freuen, dass du die schönen Facetten in deinem Leben siehst. Und wenn es genau diese Menschen um dich rum sind, die dich glücklich machen, lass es sie wissen. Teile dein Glück, in Form von Worten oder auch Erlebnissen, die gemeinsame Leichtigkeit und Freude bringen.

Fingerspitzengefühl

Im Zusammenleben bist nicht nur du selbst gestresst, sondern wahrscheinlich auch ab und an die Person/en, mit der/denen du zusammen wohnst. Manchmal ist nur eine/r von euch schlecht drauf, manchmal beide zugleich. In jedem dieser Fälle ist Fingerspitzengefühl gefragt. Hab dich selbst im Blick und auch dein Gegenüber. Evaluiere für dich. Ist jetzt gerade ein passender Moment für einen friedlichen und konstruktiven Austausch? Oder könnte ein Gespräch stattdessen kippen aufgrund der vorherrschenden Stimmung?

Gemeinsamkeit

Statt sich dem Lauf des Alltäglichen hinzugeben, auf die Gefahr hin, dass er eine langweilige bis anstrengende Tendenz annimmt, kann es helfen, sich bewusste Verabredungen zum Reden vorzunehmen. Ohne Druck, in einer entspannten Grundsituation, liebevoll und wertschätzend. Das kann Themen betreffen, die du und dein Gegenüber schon lange Zeit gemeinsam klären und auflösen wollt. Oder Missverständnisse, die jüngst aufgekommen sind und die ihr zu aufgebracht wart, im Moment loszulassen. Oder einfach ein ruhiger Austausch über Gedanken, Gefühle, Stimmungen oder vielleicht auch Sorgen im Allgemeinen.

Redezeit schenken

Wenn es euch schwerfällt, euch gegenseitig ausreden zu lassen, weil ihr schnell in die Defensive geht oder das Gehörte Sofort subjektiv bewertet: Schenkt euch gegenseitig unterbrechungsfreie Redezeit. 10, 20, 30 Minuten, womit ihr euch eben wohlfühlt. Wichtig ist, dass ihr euch einig seid und gegenseitig respektiert. Sich Dinge frei von der Seele reden zu können, kann viel Erleichterung und Verständnis bewirken. Fokussiert euch darauf, im Moment, bei euch und bei eurem Gegenüber zu sein. Keine Unterbrechungen, kein Handy, nur da sein.

Klarheit

Erzähl davon, wie es dir geht. Was dich beschäftigt, was du dir wünschst, was dich glücklich macht. Transparenz ist immer wichtig, aber gerade umso mehr, um sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren.

Selbstbewusstsein

Beobachte dich und stärke dich. Tu in dem limitierten Radius, den du gerade hast, so viel wie möglich, was dir Energie schenkt. Sei ein Schöpfer. Davon profitiert auch dein Zusammenleben mit anderen, denn du wirst zufriedener mit dir und ausgeglichener.

Gewaltfrei und ruhig kommunizieren

Gewaltfreie Kommunikation ist generell wichtig und hilfreich. Achte auf deine Bewertung von Situationen und die Worte, in die du deine Gedanken gießt. Sieh die Stufen der möglichen Eskalation und bewerte immer wieder, ob ein Problem wirklich so groß ist, wie es anfangs erscheint. Respektiere und wertschätze die Wahrnehmung und die Gefühle deines Gegenübers als genauso relevant, berechtigt und wahr, wie deine eigenen. Auch wenn du sie nicht teilst oder nachvollziehen kannst. Gegenseitige Akzeptanz kann auch die Lösung des Problems sein, ihr müsst euch nicht immer einig werden. Friedliches Miteinander reicht schon.

Pausen machen

Wenn du merkst, dass du nicht mehr kannst, was auch immer es ist. Dann nimm dir Raum und schaff dir Platz, um weitermachen zu können, anstatt aufzuhören. Viele haben im Moment sicherlich in manchen Situationen absolute oder zweifelnde Gedanken und sind der Überzeugung, sie könnten so nicht weitermachen. Das ist nachvollziehbar, aber entspricht selten der Realität. Und auch dein Gegenüber braucht ab und an etwas Raum nur für sich, ohne, dass es sich gegen dich richtet. Geht raus, spazieren, so oft es geht. Lasst euch Platz, schafft euch Platz.

 

Ruhig bleiben und weitermachen

Du schaffst das. Du kommst durch diese Zeit und du wirst länger durchhalten, als du vielleicht gerade annimmst. Dein Partner oder deine Partnerin ist wunderbar und liebenswert, auch wenn es in diesem Licht eventuell manchmal anders erscheint. Deine Kinder, deine Freunde, deine Familie, Mitbewohner – alle, die bei dir sind, sind ein Geschenk. Genau, wie du.