Platz schaffen – Frei und unbeschwert ins neue Jahr

Neues Jahr, neues Glück – das sagen die meisten von uns vielleicht deshalb gerne, weil die Theorie dahinter so schön einfach ist. Wie praktisch wäre es schließlich, wenn wir nach zwölf Monaten Testphase einfach einen Schlussstrich ziehen, unser Kapitel beenden und stattdessen auf einer neuen, noch gänzlich unbeschriebenen Seite beginnen könnten? Alle kleinen Patzer der Vergangenheit aus unserem persönlichen Buch, das sich Leben nennt, herausreißen und neu starten, eifrig darauf bedacht, dieses Mal alles richtig zu machen. Jedes Jahr merken wir aufs Neue, dass das gar nicht so einfach ist. Höchste Zeit also, die eigene Herangehensweise zu ändern: Wie du unbeschwert ins Jahr 2020 startest und in deinem Leben Platz für das neue Glück schaffst, das dich erwartet, verraten wir dir hier!

Mentale Altlasten verfolgen uns

Ein neues Jahr ist nicht nur eine zeitliche Umbruchsphase: Unsere Vorsätze beweisen, dass wir zu Jahresbeginn viel offener für Veränderungen sind. Obwohl sich das Kalenderjahr geändert hat, ist eine entscheidende Sache allerdings gleichgeblieben: wir! Einerseits haben wir in der Vergangenheit zahlreiche positive Erinnerungen und Erfahrungen gesammelt, die uns begleiten, ausmachen und stärken. Mit an Bord sind andererseits aber auch einige Altlasten und Probleme, die uns im Weg stehen können, wenn wir uns neu erfinden wollen. Das können Verlusterfahrungen in der Vergangenheit sein, zum Beispiel durch eine Trennung oder eine zerbrochene Freundschaft. Vielleicht hast du aber auch einen Jobwechsel oder einen Umzug gewagt, der dich mit ungewohnten Herausforderungen und unbekannten Neuerungen konfrontiert. Oder aber du fühlst dich frustriert von deinem ewig gleichen Alltag, den du dir eigentlich ganz anders ausgemalt hast. Egal, was dir auf dem Herzen liegt, habe den Mut, es anzugehen. Es liegt in deiner Hand, dich jeden Tag bewusst neu zu entscheiden und dein Leben mitzugestalten – und zwar Schritt für Schritt.

Schritt eins: Konfrontation

Damit uns Probleme nicht auf unbestimmte Zeit nachhängen, ist es wichtig, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Erst einmal gilt es also, uns genaustens mit den Menschen oder Angelegenheiten zu beschäftigen, die uns schlaflose Nächte bereiten. Über ungefiltertes Aufregen hinaus sollten wir uns überlegen, was uns genau belastet, wie wir uns davon befreien möchten und was wir im Zweifelsfall noch auf dem Herzen haben. Woran halten wir nur noch fest, weil wir Angst vor dem Loslassen haben? Wer oder was tut uns gut? Es hilft, wenn wir uns all diese Dinge aufschreiben, sei es in Form einer Liste oder eines offenen Briefs an die betreffende Person. Ob wir diesen letztendlich abschicken oder nicht, spielt hierbei keine Rolle. Haben wir unsere Gedanken und Gefühle geordnet, uns also mit unserer eigenen Sicht auseinandergesetzt, können wir die Perspektive der anderen Person einbeziehen, indem wir das Gespräch suchen. Das ist ein großer Schritt, aber du wirst sehen, danach fühlst du dich gleich viel befreiter und wirst stolz auf deinen Mut sein. In dem Gespräch können alle Seiten einen Kompromiss aushandeln oder sich dazu entscheiden, Frieden zu schließen, aber die gemeinsame Beziehung ruhen zu lassen.

Haderst du hingegen mit einer Entscheidung oder einer aktuellen Veränderung in deinem Leben, kann es hilfreich sein, die Vor- und Nachteile der Situation gegenüberzustellen. So kannst du einfacher abwägen, welche Seite überwiegt und ob die Angelegenheit an sich oder deine Einstellung das negative Gefühl in dir auslösen. Ruf dir dabei in Erinnerung, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Fehlentscheidungen zu revidieren. Manchmal braucht es aber auch einfach ein wenig Zeit, sich an etwas zu gewöhnen und mit einer Neuerung Frieden zu schließen. Eben diese Zeit liefert dir der nächste Schritt:

Schritt zwei: Ablenkung

Unabhängig davon, ob wir auf lange Sicht hin richtig gehandelt haben oder nicht, hinterfragen wir unsere eigentlich sorgfältig getroffenen Entscheidungen oftmals mit einem etwas mulmigen Bauchgefühl oder sind gar ein wenig traurig. In der unmittelbaren Phase nach der Konfrontation sind diese Zweifel und Gefühle ein wichtiger Teil des Aushandlungsprozesses, der uns den Weg nach vorn weist. Nimm dir also bewusst Zeit, dich mit ihnen auseinanderzusetzen, indem du zum Beispiel einen langen Spaziergang in der Natur machst, deine Gedanken in Ruhe aufschreibst oder ein entspanntes Bad nimmst. So hast du genügend Zeit, dich auf die Situation zu konzentrieren und nachzudenken, während du deinem Körper im gleichen Zug etwas Gutes tust.

Schritt drei: Handeln

Danach ist es jedoch an der Zeit, neuen Mut zu fassen und dich mit Dingen zu beschäftigen, die dich begeistern: Ablenkung ist in diesem Fall Balsam für die Seele! Anstatt sie jedoch in anderen Menschen zu suchen, sollten wir uns darauf konzentrieren, uns neue Ziele zu setzen oder andere Seiten von uns selbst kennenzulernen. Das kann auch helfen, wenn du dich an einzelnen Aspekten deines Alltags aufreibst, beispielsweise deinem Job oder deiner Wohnsituation. Frischer Wind lehrt dich, die Dinge ins Verhältnis zu setzen und dich auf das Gute und Schöne zu konzentrieren. Egal also, ob du den Sprachkurs beginnst, den du schon seit ewigen Zeiten buchen wolltest oder die Sportschuhe schnürst und dich bei einem Volkslauf anmeldest, auf den du hintrainierst – die Hauptsache ist, dass du an einer persönlichen ‚Aufgabe‘ arbeitest, die dich motiviert und dir Selbstvertrauen schenkt. So lernst du Stück für Stück, dass dein Glück nicht von anderen Menschen oder äußeren Faktoren abhängt, sondern in weiten Teilen von dir selbst.

Schritt vier: Rückblick

Anfängliche Euphorie hin oder her: Manchmal glauben wir, schon lange mit etwas abgeschlossen zu haben, nur um dann doch wieder von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Monatelang haben wir nicht mehr an einen vergangenen Schmerz gedacht, doch ganz plötzlich spielen die Gedanken verrückt und wir fallen in ein tiefes Loch. Das alte Lieblingsparfum weckt in dir nicht nur Erinnerungen an schöne Momente oder wir trinken unseren Kaffee noch immer aus der Tasse, die uns die Ex-Schwiegermutter geschenkt hat? Diesen Ballast können wir loswerden, ihn auf dem Flohmarkt verkaufen und uns erlauben, uns neu zu erfinden. Alternativ kannst du solche unliebsamen Erinnerungstücke auch in deinem weiteren Freundeskreis verschenken – dann kannst du sicher sein, dass sie in guten Händen sind und hast zugleich einem lieben Menschen eine kleine Freude bereitet. Verurteilen sollten wir uns für diese Phasen jedenfalls nicht. Mag es auch paradox klingen, gehören nämlich auch solche vermeintlichen Rückschläge zum Prozess des Abschließens dazu. Sie helfen uns, die Vergangenheit zu verarbeiten und geben uns die Möglichkeit, innezuhalten und Geschehenes zu reflektieren. Mit neuer Kraft kann es danach Schritt für Schritt weitergehen, streng nach dem Motto: neuer Tag, neues Glück!

Schritt fünf: Wandel

Einer der entscheidendsten Schritte, um Vergangenes zu verarbeiten, ist, die negativen Emotionen in positive umzuwandeln. Gut für uns, dass dieser Teilprozess sich quasi wie von selbst entfaltet: Nach und nach beginnen wir automatisch, eine neue Perspektive auf unsere Vergangenheit zu entwickeln und Dinge wahrzunehmen, die uns zuvor überhaupt nicht bewusst waren. So können wir den Taten anderer und dem etwaigen Schmerz, den sie uns zugefügt haben, rückblickend vielleicht immer noch nicht viel abgewinnen, doch haben zumindest einiges daraus gelernt – darüber, was wir nicht wollen und so auch sehr viel über uns selbst. Schreib auch hier auf, was dich bewegt, damit du deinen Fortschritt direkt vor Augen hast: Bist du seit deiner Trennung wieder viel aktiver in deinem Freundeskreis? Hast du dich mit deiner Familie gestritten, aber dabei endlich gelernt, für deine Meinung einzustehen? Oder bist du vielleicht im neuen Job gescheitert, hast aber dafür den Mut bewiesen, aus deinem Alltagstrott auszubrechen? Manchmal bringt etwas scheinbar Schlechtes auch gute Seiten mit sich – und auf diese darfst du ganz bewusst stolz sein!

Schritt sechs: Entfaltung

Wenn wir alten Ballast und negative Empfindungen über Bord geworfen haben, schaffen wir genügend Energie, um uns Neuem zu widmen. Wir können uns nun voll und ganz auf unsere Ziele und spannenden Zukunfts-Projekte konzentrieren und sie konkret umsetzen. Dabei ist es völlig in Ordnung, erst einmal klein zu anzufangen: Sortiere beispielsweise deinen Kleiderschrank aus oder belohne dich mit einem neuen Teil, das du schon lange im Blick hast. Such dir einen neuen Sportverein oder verabrede dich mit dem Schulfreund oder der Schulfreundin, die du schon viel zu lange nicht gesehen hast. Alles, was neuen Schwung in dein Leben bringt und dir das Gefühl gibt, du selbst sein zu können, ist erlaubt. Eine Veränderung ist in den allermeisten Fällen eine Entfaltung deines Ichs und all deiner Potentiale. Grund genug, sie zu begrüßen, statt sie zu fürchten.

Um das neue Jahr mit neuem Glück zu füllen, braucht es also gar keinen kompletten Neubeginn oder ein neues Ich – es reicht auch schon, Altlasten zu verabschieden und somit Platz für Veränderung zu schaffen. Nur wer genügend Raum hat, kann schließlich über sich selbst hinauswachsen.